Meine Anatomie

  • Mein Pferdebein

    Meine arme Pferdebeine müssen das ganze Gewicht tragen und sie sind auch das anfälligste Gesundheitsgut meiner Art.
    Von Lahmheiten und Bewegungsstörungen hauptsächlich betroffen sind unsere Vordergliedmaßen, auf denen 55 % des Gesamtgewichtes lastet. Hier sind die Zehen besonders empfindlich.

    Als Lahmheit bezeichnet man Störungen einer einzelnen Extremität, unter Bewegungsstörungen versteht man die gleichmäßige Störung an einem Beinpaar. Wenn wir eine Sehnenzerrung haben, gehen wir an einem Vorderbein lahm. Bei Hufrehe zeigen wir Bewegungsstörungen an beiden Vorderhufen.

    Meistens führen falsche Belastung, Überbelastung oder Haltungsfehler zu chronischen Erkrankungen unserer Pferdebeine. Aber auch Fehler in der Fütterung, wie zu kohlenhydratreiche Futtermittel oder plötzlicher Futterwechsel können die Hufrehe auslösen.

    Als Hufrolle wird die funktionelle Einheit des Strahlbeins, des Hufrollenschleimbeutels und des Abschnitts der tiefen Beugesehne bezeichnet. Der Schleimbeutel dient als Polster für die über das Strahlbein gleitende Sehne.


  • Mein Huf

    Mein Huf bitte ich wie deinen Augapfel zu hüten! Er besteht aus dem Hufbein (Knochen), der Lederhaut (verantwortlich für das Hufwachstum) und der Hufkapsel. Grundsätzlich gilt: die tägliche Kontrolle und Reinigung meines Hufes ist ein Muss.

    Der Strahl des Hufes gehört zu den Problemzonen meines Hufes. Hat sich das Weichhorn meines Strahls erst einmal in eine übelriechende, grau-schwarze Schmiere verwandelt, hast du es mit der Strahfäule zu tun. Hauptursache ist die Schädigung meines Horns durch die Zerfallsprodukte von meinem Urin und Mist (Ammoniak) in meiner Box. Deshalb miste sie bitte regelmäßig aus!

    Bei hygienischen Bedingungen kann eine Erkrankung verhindert werden.

    1937 wurde in der Broschure "Grundsätze für den Hufbeschlag" folgendes geschrieben:
    "Für die Gesunderhaltung der Hufe sind tägliches Bewegen, ein trockener Untergrund des Stalles und trockene Streu von größter Wichtigkeit.
    Täglich - jedenfalls aber vor und nach dem Dienstgebrauch - müssen die Hufe vom Pferdepfleger nachgesehen werden: ob sie ausgebrochen oder zu stark abgelaufen sind, ob die Hufeisen noch fest und richtig aufliegen, ob Niete hervorstehen, ob fauler Strahl oder sonstige Veränderungen wahrzunehmen sind.
    Das Waschen der Hufe erfolgt je nach ihrer Beschaffenheit und darf nicht zu oft vorgenommen werden. Nach dem Waschen ist die Hornkapsel, sobald sie trocken ist, einschließlich Hornsaum mit einem Fettlappen abzuwischen. Zum Einfetten eignen sich alle ungesalzenen und ungefärbten Fette, die nicht ranzig werden."

    Dies ist noch immer gültig!


  • Meine Muskulatur

    Durch meine Muskelkraft besteht Bewegung. Mein Bewegungsapparat besteht aus den Knochen, Sehnen und Muskeln. Die hervorstechenste Eigenschaft eines Muskels ist seine Fähigkeit, sich zu verkürzen. Durch diese Kontraktion und das komplizierte Miteinander der beiden Gegenspieler Beuger und Strecker entsteht Bewegung.

    Ich verfüge über mehr als 700 Muskeln. Richtig dosiertes Training und individuell angepasstes Futter bringen den Muskel-Motor auf Touren: sie machen die Muskelfasern dicker, Knochengewebe dichter und stabilisieren die Sehnen.
    Meine quergestreifte Muskelatur besteht aus: außen die Muskelhaut, im Inneren die Faserbündel, die aus Muskelfasern gebildet werden. Die Fasern wiederum sind aus Muskelfibrillen zusammengesetzt, in denen Proteine die Kraft erzeugen.


  • Meine Atmungsorgane

    Das Gewicht meiner Lungen beträgt 1 bis 1,5 % meines gesamten Körpergewichts. Bei meinem Gewicht von etwa 600 kg sind dies 6 bis 9 kg. Rechter und linker Lungenflügel fassen bis zu 42 Liter Luft (beim Menschen 5 bis 6 Liter!). In Ruhe atme ich durchschnittlich 6 Liter ein (bei 8 bis 16 Atemzügen pro Minute). Bei schwerer Arbeit steigt die maximal gewechselte Luftmenge auf 30 Liter, die Zahl der Atemzüge auf bis zu 100 pro Minute.

    Erkrankungen meines Bronchialsystems sollten nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Die sinnvoll zusammengestellten Bronchialkräuter, die ich von September bis März bekomme, tun mir gut. Ich habe Gott sei Dank nie den Husten.

    Über meine Nasenlöcher, Nasenhöhle, Kehlkopf, Luftröhre und Bronchien gelangt die Luft in die Lungenbläschen der Lunge. Die Bronchien dienen der Luftleitung, die Lungenbläschen dem Gasaustausch.

    Die Innenauskleidung von meinem Kehlkopf, Luftröhre und Bronchien besteht aus einer Schleimhaut mit feinen Flimmerhärchen. Diese sogenannten Zilien transportieren Fremdstoffe in die oberen Atemwege, wo sie abgehustet werden. Bei einer Bronchitis oder einem Husten bildet sich ein zäher Schleimbelag auf den Zilien. Die Bronchien schwellen an und die Atmung wird erschwert. Bei fehlender oder unsachgemäßer Behandlung werden die Atemwege dauerhaft geschädigt. Chronischer Husten oder chronische Bronchitis können die Folge sein.

    Um mich vor chronischen Atemwegserkrankungen zu bewahren, solltest du folgendes beachten: ein gesundes Stallklima schaffen, ausgewogene und leistungsorientierte Fütterung, für aus reichend Bewegung sorgen, Einhaltungen der Impfungen gegen Virusinfektionen.


  • Meine Haut

    Die dicke meiner Haut beträgt etwa 3,8 mm. An meinem Rücken, Stirn und Nacken ist sie bis zu 6 mm dick, im Leistenbereich und in den Achseln am dünnsten. Die oberste Schicht - die Oberhaut - bilden meine Haarfollikel, Talg- und Schweißdrüsen. Diese sind in meine darunterliegende Lederhaut eingebettet. Die dickste Schicht, mein Untergewebe, ist im wesentlichen ein Speicherorgan und besteht hauptsächlich aus Fettzellen.

    Meine Haut muss mit Schmutz und Staub, steigenden Umweltbelastungen und aggressiver Sonneneinstrahlung fertig werden. Ich bekomme von März bis September Knoblauch mit Vitamen B-Komplex. Im Zusammenspiel mit meinen Schweißkomponenten vertreibt dies hervorragend Insekten, die ich überhaupt nicht leiden kann. So wird meine Haut vor zusätzlichen Belastungen geschützt.

    Wenn die Temperaturen steigen und die Weidezeit beginnt, fängt bei vielen meiner Artgenossen das große Jucken an. Ursache können harmlose, wenn gleich lästige Insektenstiche ohne weitere Folgen sein aber auch eitrige Ekzeme. Ohren, Mähne, Vorderbrust, Rücken und Schweif sind von diesem sogenannten Sommerekzem besonders betroffen, wobei ein starker Juckreiz die Hautentzündung noch verschlimmert.

    Bei Sommerekzem handelt es sich um eine multifaktorielle Erkrankung, die Ursachen können also unterschiedlicher Natur sein. Wichtige Auslöser sind Vererbung, Störungen im Eiweiß-Stoffwechsel oder Allergien. Aber auch starke Verschmutzung und Verkleben der Langhaare können schuld sein, ebenso wie bakterielle Infektionen oder Parasitenbefall.
    Ebenso vielschichtig wie die Ursachen des Sommerekzems sind , müssen auch unterschiedlichste Therapien in die Behandlung miteinbezogen werden.


  • Meine Verdauungsorgane

    Mein Fress- und Verdauungsverhalten haben mit den Essgewohnheiten des Menschen nur wenig gemeinsam. Meine Vorfahren mussten ihr Futter täglich erlaufen: neben stetiger Bewegung nahmen sie fortwährend kleine Mengen wenig gehaltvoller Pflanzennahrung zu sich. Unter sehr kargen Bedingungen (Steppe, Bergregionen) steigt die Futteraufnahmezeit zur Deckung des Erhaltungsbedarf auf bis zu 16 Stunden!

    Durch zu kurze und zu wenige Fütterungszeiten, überhöhtes Nährstoffangebot und zu großes Futtervolumen sind Fütterungsfehler vorprogrammiert. Trotz räumlich eng begrenzter Haltungsbedingungen mit stark reglementierten Weidezeiten sollte meinen natürlichen Futterbedürfnissen möglichst entgegengenommen werden: 5 bis 6 Stunden Fresszeit täglich, mindestens 3 X pro Tag füttern, nach Futteraufnahme ca. 1 1/2 Stunde keine Arbeit, freie Möglichkeit der Wasseraufnahme.

    Mein Dünndarm, Hauptort meiner Verdauung, gliedert sich in den Zwölffingerdarm (ca. 1 m lang), den Leerdarm (ca. 25 m lang) und den Hüftdarm (ca. 0,7 m lang). Durch wellenförmige Bewegungen gelangt der Darminhalt in den Dickdarm, bestehend aus dem Blind-, Grimm- und Mastdarm.

    Die "Gärkammern" meines Dickdarms zerlegen die bis dahin unverdaute Rohfaser. Bakterien zersetzen hier die Zellulose aus Heu oder Stroh. Auf plötzliche Futterumstellung reagieren diese Mikroorganismen sehr empfindlich - die Darmflora kann Schaden nehmen. Bekomme ich zuviel Kraftfutter, kann das ebenso schwerwiegende Folgen haben: Im Dünndarm nicht verdaute Kohlenhydrate und Eiweiß führen im Dickdarm zu Fehlgärungen und damit zu Blähungen und Übersäuerung, Koliken oder Hufrehe können entstehen.

    Im Verhältnis zum Gesamtfassungsvermögen meines Darmkanals ist mein Magen mit 12 bis 14 l Fassungsvermögen relativ klein.

    Am Übergang zum Dünndarm befördert mein sogenannter Pförtner den Mageninhalt schubweise in meinen Dünndarm weiter. Daran schließt der hintere Verdauungstrakt an - mein Dickdarm. Durch Wasserentzug im Mastdarm wird der Darminhalt eingedickt. Die Ausscheidung beginnt 20 Stunden nach der Nahrungsaufnahme und endet erst nach 4 bis 5 Tagen.

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